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BR-Moderator
Franz Barthel Ein journalistisches Urgestein aus Mainfranken geht in den Ruhestand, Franz Barthel, seit fast 30 Jahren Moderator des Bayerischen Rundfunks. Anfang April wurde er 65 Jahre alt, am Donnerstag, den 30. April 2009 war sein letzter Arbeitstag. An diesem Tag um 12.05 Uhr: Im proppevollen Antoniussaal des Klosters Kreuzberg leuchten die roten "On Air" - Lampen auf und die letzte Radiosendung des Franz Barthel beginnt. Mitten unter "seinen" Hörerinnen und Hörern verabschiedete sich der 65-Jährige vom Mikrofon.
Danke und Ade !
Livesendung aus dem Kloster Kreuzberg.
Erwin Pelzigs Abschiedsgruß an den künftigen Ruheständler.
Wegbegleiter seiner Journalisten-Laufbahn verabschieden den "wendigen, witzigen und widersprüchlichen" Franken mit ganz persönlichen Worten. Von Barbara Stamm bis zum Chef des Weltladens
Hier ein paar Impressionen einer Radio-Karriere:
Franz mitten unter “seinen” Hörerinnen und Hörern.
Wendig, witzig, widersprüchlich Im Jahre 2006 war Franz Barthel mit dem
Frankenwürfel der fränkischen Regierungspräsidenten für die Kriterien
„wendig, witzig, widersprüchlich“ ausgezeichnet worden. Die Laudatio
sage eigentlich alles über einen Journalisten aus, der die
unterfränkische Medien mitgeprägt habe. Er ist ein gelernter Jurist, von der gymnasialen Schulbildung her Humanist – auf das Lateinische und Griechische kommt er mitunter auch zurück. Sein Ministrantenhandwerk hat der gebürtige Marktbreiter in St. Benedikt in Würzburg gelernt. Bis heute hat er engen Kontakt und Freundschaft zu den Mönchen von Münsterschwarzach und ihren Niederlassungen. Und vielleicht wäre aus dem „Barthels Franz“ auch ein streitbarer Mönch geworden. Aber da war das Zölibat davor und die Berufung zum Journalisten - und so schlug er den Weg des Predigers über Zeitung und Radio ein.
Zunächst war der rechtskundige Franz Barthel Mainpostredakteur, sein Fachgebiet war wie selbstverständlich die Justiz, die Polizei- und die Gerichtsberichterstattung. Für einige Zeit war er auch der Mann der Deutschen Presseagentur in Unterfranken, doch dann lockte um 1980 das frisch gegründete Würzburger BR-Studio, in dem er seit 1983 als Redakteur sozusagen zu Hause ist.
Kein Stubenhocker Aber Stuben- oder besser in diesem Fall „Studio-Hocken“ ist nicht seine Art. Er wurde der Gerichtsreporter des Bayerischen Rundfunks für die großen und kleinen Fälle Justitias in Würzburg. Und der nimmt ihr ganz gerne auch mal die Binde von den Augen. Richter- oder Staatsanwaltschelte ist nicht seine Art, aber: Er macht auch vor Roben nicht halt! Maßstab ist dabei oft der gesunde Menschenverstand, der ja manchmal im Gesetz vermisst wird. Wenn den Franz Barthel sein Rechtsempfinden juckt, dann kann er zuschlagen. Immer hart an der Kante entlang. Erst die Fakten gut recherchiert, dann die Schlusssätze, die auch mal wehtun. Für die Mainpost war er über zehn Jahre Gerichtsreporter und, so wie andere Briefmarken sammeln, sammelt er kuriose Fälle und vor allem auch ungeklärte Straftaten. Zu Dutzenden kennt er bis ins Detail die ungesühnten Verbrechen, leidet gewissermaßen mit den ermittelnden Kriminalbeamten, bis in deren Ruhestand hinein. In den Gerichtsälen an der Ottostraße ist er ein
regelmäßiger, gern gesehener Gast. Klinkenputzen bei Richtern und
Staatsanwälten ist ihm dabei wichtig. Klinkenputzen im Sinne von
Kontakt halten. Die Juristen schätzen den Gerichtsreporter des
Bayerischen Rundfunks als kundigen, sachlichen, witzigen und, wenn es
sein muss, auch mal als harten Berichterstatter.
Schlagfertig und kontrovers Sein schlagfertiges Mundwerk ist bekannt und
berüchtigt. Besonders auch seine zunächst harmlos klingenden Fragen.
Die setzt er so an, dass der Befragte den begonnenen Halbsatz des
Franz Barthel beenden muss, ob er nun will oder nicht. Dabei hat er
gerade vor Amts- und Würdenträgern keine Scheu. Vor allem in Livesendungen läuft er zur Hochform auf. Die Begeisterung der
Zuschauer vor Ort beflügelt ihn geradezu. Und da ist es egal, ob es
der Bauer aus dem Spessart ist, der Landrat vom Untermain oder der
Bischof von Würzburg.
Und so ist der Franz Barthel auch bei Podiumsdiskussionen in ganz Unterfranken ein gefragter Diskussionsleiter. Da hat er es am liebsten kontrovers. Wenn die Meinungen aufeinander-prallen. Und er als Lenker und Einheizer mitten drin. Und wenn eine Diskussionsrunde mangels „Advocatus diaboli“ zu zahm daher kommt, dann spielt unser künftiger Gewürfelter eben den „Anwalt des Teufels“. Denn nichts ist ihm grauenvoller als Langeweile.
Die Hörerinnen und Hörer lieben seinen Humor, der hintergründig sein kann, aber auch sehr scharf. Und hier kann er auch polarisieren. Aber langweilige Menschen gibt es genug, sagt Franz Barthel, er will keiner sein. Er will, dass sich die Hörer an seine Sendungen erinnern und auch mal reiben können. Und weil er für so manche Überraschung gut ist, kann es auch mal sein, dass er plötzlich nach einer Sendung Taufpate ist. Bei einer Livesendung im Wernecker Krankenhaus hatte er schwangeren Frauen versprochen, die Patenschaft zu übernehmen, sollte eine während der Sendung niederkommen. Und so geschah es, Onkel Franz hatte sein Patenamt. Franz Barthel reizt zum Widerspruch, er fährt gerne gegen den Strom der allgemeinen Meinung. Da kann er ein dickköpfiger Franke sein. Aber nur wer gegen den Strom schwimmt, der kommt auch an die Quelle. Und die ist für einen seriösen Journalisten doch das Wichtigste.
Der Mann mit dem Elefantengedächtnis Franz Barthel hat ein Elefantengedächtnis. Er vergisst nichts. Niemanden, der ihm Gutes oder auch mal Böses widerfahren ließ. Aber hinter der oft hart scheinenden Schale ist ein sehr weicher, menschlicher Kern. Am deutlichsten wird das mit der von ihm vor über 20 Jahren gegründeten BR- Äthiopienhilfe, die auch sein persönliches Leben verändert hat. Damals, 1984, war eine schreckliche Hungersnot in Äthiopien. Franz Barthel versprach am Mikrofon seinen Hörern, das Zigarillo-Rauchen aufzugeben. Das Geld wollte er dem damaligen Aussätzigenhilfswerk in Würzburg zur Verfügung stellen. Gesagt und getan. Franz Barthel raucht seit 1984 nicht mehr und die Hörerinnen und Hörer des BR schicken seit nunmehr über 22 Jahren Geld. Mehr als 2 Millionen Euro konnte die heutige Lepra- und Tuberkulosehilfe seither mit dieser Aktion in Selbsthilfeprojekte investieren. Ausgewählt und streng beobachtet von Franz Barthel.
Regelmäßig reist er nach Afrika. Und dort haben viele tausend Menschen durch die Hilfe vieler Unterfranken und durch das Engagement von Franz Barthel wieder Hoffnung für ihr Leben gefunden. Die Projekte reichen von der Biogasanlage für ein Krankenhaus über Nähmaschinen für Frauen bis hin zur Mangoplantage. Oberstes Ziel ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe. Mit dem Diaprojektor zieht er übers Land und erzählt in Seniorenkreisen, Pfarreien, Vereinen und Schulen von den kleinen Schritten, die die Welt verändern können. Dabei ist es ihm auch immer wichtig, Afrika und vor allem Äthiopien auch als ein Land voller Schönheit und Reichtum der etwas anderen Art vorzustellen“
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